Geliebtes Kind

Predigtgedanken zum Fest „Taufe des Herrn“ am 12. Jänner 2014
Lesung: Apostelgeschichte 10,34-38                  Evangelium: Matthäus 3,13-17

„Gott sieht nicht auf die Person“ haben wir Petrus in der Lesung aus der Apostelgeschichte sagen gehört. „Sondern ihm ist in jedem Volk willkommen, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ Zwei wichtige Aussagen, die sich vielleicht auch widersprechen. „Gott erwählt uns aus Gnade“ und dann gleich wieder „wir müssen tun, was recht ist!“ Das ist doch schon wieder das klassische Bild, dass wir uns Gnade, Glaube, Liebe verdienen müssen. Wirklich? Nein!taufe
Taufe ist die Zusage Gottes, dass ER uns liebt, annimmt, begleitet,… und das ist immer zuerst Gabe, unverdient, geschenkt. So kann ich auch mit ruhigem Gewissen Kinder taufen, denn die Taufgnade ist eben zuallererst etwas, das uns von Gott her gratis gegeben ist, wir können uns diese Zusage Gottes, SEINE unbedingte Liebe gar nicht erarbeiten. Aus dieser Gabe erwächst uns aber sehr wohl eine Aufgabe, dass wir in unserem Leben etwas machen aus dieser Zusage.
In der Kommunikationstheorie geht man von verschiedenen Aussageabsichten aus und eine adäquate Antwort auf eine Aussage muss auf der selben Ebene angesiedelt sein. Das bekannteste Beispiel. Sie sagt zu ihm: „ich liebe dich!“ Er antwortet: „Danke für diese Information!“ Sie hat auf der Selbstoffenbarungsebene gesprochen, Er auf der Sachebene geantwortet. Das passt nicht zusammen. Ebenso kann und darf die Aussage „ich liebe dich“ kein Appell sein, nach dem Motto „ich liebe dich, du hast mich dafür gefälligst auch zu lieben!“ Wie in der menschlichen Liebe, so ist es auch in der Beziehung zu dem, der die Liebe ist. Wenn er uns in der Taufe Seine bedingungslose Liebe zusagt. Wenn Gott zu jeder und jedem von uns ein für allemal und immer wieder neu sagt: „Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn“, dann kann unsere Antwort kein Handeln, keine Leistung sein …dann kann unsere Antwort auch nur auf der Beziehungs- und der Selbstoffenbarungsebene stattfinden. Und das heißt dann, Gott fürchten und tun was recht ist, ist in erster Linie, versuchen auf die gnadenhafte Liebe Gottes Antwort zu geben, indem auch ich liebe.

Und so ist dieser heutige Abschluss der Weihnachtszeit für uns Aufforderung, uns immer neu an unsere Taufe zu erinnern. In der Lesung heißt es: „Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist…“ und dann werden die Taten, die Jesus durch Gottes Geist getan hat aufgezählt. Wir wissen auch, was durch Gottes Geist überall auf der Welt zu allen Zeiten geschehen ist …und dabei dürfen wir wirklich auch auf das viele Gute blicken. Sicher gab es und gibt es zu allen Zeiten, Dinge, die nicht passen, wo wir auch wieder der prophetischen Kritik eines Johannes des Täufers bedürften. Vor allem aber wissen wir auch, wie viele Menschen durch den Glauben einen Sinn in ihrem Leben gefunden haben und ein erfülltes Leben mit Gott geführt haben. Menschen, durch die Gott Mensch wurde. Und da brauchen wir jetzt auch nicht nur bei den Heiligen schauen und bei denen, die in Kirche und Gesellschaft etwas zu sagen haben. Blicken wir auf Menschen um uns, die oft unscheinbar und anonym den Glauben leben. Ich denke an eine Frau Anfang 60. Ihr Mann war viel unterwegs. Sie hat über weite Strecken zu Hause den großen Betrieb alleine geschaukelt, die Kinder groß gezogen, einer der beiden Söhne ist beeinträchtigt, und doch hat sie noch Zeit für ein Leben aus dem Glauben gefunden. Der Mann ist heute in Pension und geht seine eigenen Wege. Sie steht immer noch im Betrieb, den mittlerweile ihr Sohn führt. Ist eine wunderbare Stütze, kümmert sich um die Enkel und lebt mit ihrer Familie den Glauben. Ihrem Mann ist sie nicht böse und lässt ihn seine Wege gehen. Das einzige was man tun kann, sagt sie, ist für ihn beten. Und sie strahlt immer noch eine Herzlichkeit und Freude aus. Sie, die einst in einem Interview, wo es auch darum ging, dass Kinder ein Haufen Arbeit und Verantwortung sind, über Kinder sagte: „Kinder sind ein Haufen Lachen, ein Haufen Schönes!“ So erweist sie ihren Glauben und ihre Liebe im nicht ganz so einfachen Alltag und lebt vor allem aus der Gewissheit, dass sie von Gott bedingungslos geliebt. Das beeindruckt mich, solche Menschen, die ihre Taufberufung im Kleinen leben. Ergreifen auch wir die Chance immer neu. Weil Gott zu uns „ja“ sagt, dass wir zu IHM „ja“ sagen …und auf Seine Liebe antworten, indem wir in unserem kleinen, oft begrenzten Alltag, die Freude und die Kraft des Evangeliums ausstrahlen. Denn mit Gott ist das Leben nicht gefeit vor Problemen, aber ER ist da, ER will uns heilen und immer neu Gutes tun …sagen wir dazu „ja“!