Wider alle Erwartung

Ein Text zum Zugehen auf das Licht, das Kind, den Friedensfürst …der sicher kommen wird …SEIN Tag ist nahe!

Wir erwarteten einen Übermenschen,
du gabst uns eine kleines Kind.

Wir erwarteten einen Herrscher,
du gabst uns einen Bruder.

Wir erwarteten einen Rächer,
du gabst uns einen Verfolgten.

Wir waren die Beute des Hasses,
und sieh da: die Liebe.

Wir waren in den Krallen der Angst,
und da nun: die Freude.

Wir waren im Rachen der Nacht,
und da: das Licht!

Unsere Weisen sind zu ihm gegangen,
mit ihren Schätzen beladen,
aber sie wurden die Beschenken,
die Beglückten.

Unsere Mächtigen sind zu ihm gegangen,
steif aufgereckt von ihrem Stolz,
das Kind machte sie biegsam,
sie bogen das Haupt und die Knie.

Mit allen Menschen,
die die Nacht absuchen nach Gerechtigkeit,
nach einem Schimmer von Frieden,
mit den Weisen und Gebeugten
begrüßen wir das Unerwartete,
das überraschende Licht:
das Kind.

(Verfasser unbekannt – unterschiedliche Angaben – Lateinamerika oder aus: Maria Otto u. Ludger Hohn-Morisch (Hrsg.), Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit, Freiburg i. Br. u.a.: Verlag Herder 2003.)